Pflicht · PEPPOL · SK-CIUS

E-Rechnungspflicht in der Slowakei — was muss meine Niederlassung tun?

Ab 1. Januar 2027 sind MwSt-registrierte Unternehmen in der Slowakei verpflichtet, Rechnungen elektronisch über das PEPPOL-Netzwerk zu versenden. Dieser Leitfaden erklärt die Anforderungen konkret — für Finance- und Compliance-Teams internationaler Konzerne.

📋 Pflichtleitfaden ⏱ 7 Min. Lesezeit 🔄 Juni 2026 🇩🇪 Deutsch

Wen betrifft die Pflicht?

Die Pflicht gilt auf zwei Ebenen — Senden und Empfangen:

SituationSendepflicht?Empfangspflicht?
Slowakische GmbH / AG mit IČ DPH, stellt Rechnungen an SK-MwSt-Pflichtige aus JA ab 2027 JA ab 2027
Ausländische Muttergesellschaft ohne SK-MwSt-Registrierung, empfängt Rechnungen von SK-Lieferanten NEIN EMPFOHLEN
Ausländisches Unternehmen mit SK-MwSt-Registrierung (IČ DPH), stellt SK-Inlandsrechnungen aus JA ab 2027 JA
Lieferant an slowakische Behörden / öffentliche Stellen BEREITS JETZT JA

B2G gilt bereits seit Januar 2025. Wenn Ihre Niederlassung Rechnungen an Ministerien, Gemeinden oder staatliche Unternehmen stellt, ist die PEPPOL-Pflicht bereits in Kraft. B2B folgt am 1. Januar 2027.

Das Format: PEPPOL BIS 3.0 + SK-CIUS

Die slowakische E-Rechnung basiert auf drei aufeinander aufbauenden Standards:

  • EN 16931 — europäischer semantischer Standard (EU-weit einheitlich)
  • PEPPOL BIS Billing 3.0 — Netzwerkprofil, definiert UBL 2.1 XML-Struktur
  • SK-CIUS — slowakische Nationalerweiterung mit zusätzlichen Pflichtfeldern

Das Resultat: eine UBL 2.1 XML-Datei, die über das PEPPOL-Netzwerk via Access Point übertragen wird. Dasselbe Netzwerk, das in Österreich (E-Rechnung AN), Deutschland (XRechnung) und 30+ weiteren Ländern eingesetzt wird.

SK-CIUS — die slowakischen Besonderheiten

SK-CIUS erweitert EN 16931 um Pflichtfelder nach slowakischem MwSt-Gesetz Nr. 222/2004. Für die ERP-Konfiguration einer slowakischen Niederlassung relevant:

BT/BGFeldStatusBesonderheit
BT-30IČO (Handelsreg.-Nr.)PFLICHT SK8-stellige slowakische Unternehmens-ID. Pflicht für im Handelsregister (ORSR) eingetragene Unternehmen.
BT-33Rechtsform (CompanyLegalForm)PFLICHT SKz.B. „s.r.o." (GmbH), „a.s." (AG). SK-CIUS-Regel SK-CIUS-04.
BT-31MwSt-ID LieferantPFLICHTFormat: SK + 10 Ziffern (z.B. SK1234567890). Kein Leerzeichen, kein Schrägstrich.
BT-84IBANBEDINGT SKPflicht bei Zahlung per Überweisung (SK-CIUS-05). SK-IBAN: SK + 22 Stellen.
BT-83Variabler Symbol (Verwendungszweck)EMPFOHLENSlowakische Banken nutzen variablen Symbol (VS) für Zahlungszuordnung. In BT-83 eintragen.
BT-117MwSt-Betrag (TaxAmount)PFLICHTMuss currencyID-Attribut tragen — fehlend → SK-CIUS-07 Fatal Error.
BT-25/26Referenz OriginalrechnungPFLICHT bei GSBei Gutschriften (Credit Note, Typ 381) Pflichtfelder. Fehlen → BR-55 + SK-CIUS-11.

→ Vollständige Feldreferenz auf Englisch: SK-CIUS Field Reference

PEPPOL-Anschluss: Was muss die Niederlassung einrichten?

1
Access Point bestimmenPrüfen ob der Konzern bereits einen PEPPOL-AP nutzt (z.B. für AT/DE). Falls ja: beim Anbieter anfragen ob SAPI-SK (slowakisches Segment) unterstützt wird. Falls nein: slowakisch zertifizierten SAPI-Anbieter auswählen (Digitálny Poštár, MRP u.a.).
2
PEPPOL-ID der Niederlassung registrierenDie PEPPOL Participant ID für die SK-Einheit muss im PEPPOL SMP-Verzeichnis eingetragen sein, damit Lieferanten und Kunden sie finden können. Format SK: 0196:SK + 8-stellige IČO.
3
ERP-Ausgabe konfigurierenSK-CIUS-Felder ergänzen: IČO (BT-30), CompanyLegalForm (BT-33), SK-MwSt-ID-Format, IBAN, currencyID auf TaxAmount. Die meisten ERP-Systeme (SAP, Oracle, D365) haben PEPPOL-Adapter — SK-CIUS als separate Konfiguration.
4
Validieren vor Go-liveTestrechnung durch den PEPPOL-Validator laufen lassen. Fatal Errors (BR-, R-, SK-CIUS-Regeln) blockieren Zustellung — müssen vor dem Echtbetrieb behoben werden.
5
Lieferanten und Kunden informierenLieferanten die PEPPOL-ID der SK-Niederlassung mitteilen. Kunden ebenfalls — sie benötigen sie zur Rechnungszustellung.

Was passiert wenn eine Rechnung falsch ist?

Eine einmal zugestellte PEPPOL-Rechnung kann nicht zurückgerufen werden. Die Korrektur erfolgt über eine Gutschrift (Credit Note, Dokumententyp 381) — ein eigenständiges rechtlich verbindliches Dokument, das die Originalrechnung nullstellt.

→ Vollständiger Leitfaden: Rechnungskorrektur & Ablehnung

MwSt-Relevanz für internationale Konzerne

E-Rechnung und MwSt-Pflichten sind getrennte Themen, interagieren aber:

  • Reverse Charge: Bei grenzüberschreitenden B2B-Lieferungen (z.B. deutsche Muttergesellschaft → slowakische Tochter) gilt häufig das Reverse-Charge-Verfahren. Die Rechnung enthält MwSt-Kategorie AE (Umkehrung der Steuerschuldnerschaft) oder O (außerhalb des Anwendungsbereichs).
  • MwSt-Registrierung: Ausländische Unternehmen die Waren/Dienstleistungen im Inland (SK) erbringen, können registrierungspflichtig sein. Schwellenwert für Fernverkäufe: 10.000 EUR EU-weit.
  • MwSt-Sätze: 20 % Standard, 10 % ermäßigt, 5 % (ausgewählte Lebensmittel ab 2024), 0 % (EU-interne Lieferungen, Exporte).

Steuerberatung: Dieser Leitfaden behandelt die technischen E-Rechnungsanforderungen. Für MwSt-Registrierung und steuerliche Compliance-Fragen empfehlen wir die Beratung durch einen slowakischen Steuerberater oder eine internationale Kanzlei mit SK-Expertise.

Häufige Fragen aus der Konzernpraxis

Unser ERP ist in Deutschland konfiguriert — müssen wir eine separate SK-Instanz aufsetzen?

Nicht zwingend. Viele ERP-Systeme erlauben länderspezifische Ausgabekonfigurationen pro Buchungskreis. Die SK-Niederlassung erhält eine eigene Konfiguration mit SK-CIUS-Feldern, während die Zentralinstanz weiterläuft. Konkrete Umsetzung abhängig vom ERP-System.

Unser Konzern nutzt SAP — welches Add-on für die Slowakei?

SAP S/4HANA bietet native PEPPOL-Unterstützung via AIF (Application Interface Framework) und das SAP Document and Reporting Compliance (DRC) Modul. Für die slowakische SK-CIUS-Erweiterung ist ein Slovakia-spezifisches Mapping erforderlich — einige SAPI-Anbieter liefern vorkonfigurierte SAP-Pakete.

Wie weise ich nach, dass eine Rechnung zugestellt wurde?

Der PEPPOL Access Point liefert eine Zustellungsbestätigung (Delivery Receipt). Diese dient als Nachweis der rechtskonformen Zustellung im Sinne des slowakischen MwSt-Gesetzes. Archivierungspflicht in der Slowakei: 10 Jahre.

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